neuntausendeinhundertdreiundfünzig!

…ein letztes mal wachen wir auf dieser tour in der sänfte auf. es gibt schlimmere orte zum übernachten! die ebene liegewiese mit 12volt anschluss ist uns bequem ans herz gewachsen.

mücken vertreiben uns – fieser weise starten wir so die abschliessende etappe der ostseeumrundung ohne morgenkaffee. entsprechend aufgeräumt gelaunt empfangen wir die erste polizeikontrolle dieser fahrt. ein defektes rücklicht wird freundlich aber bestimmt bemängelt. zum glück ohne strafzettel entern wir die nächste tankstelle. rücklichter gibt’s nicht – zumindest aber nen schlechten, wirksamen kaffee (der schlechtesten kaffee der tour war auch noch unwirksam und wurde von einem inder in russland serviert. der flog (also der kaffee, nicht der inder) nach keinem kilometer fahrt aus dem becher durchs seitenfenster in die russische tundra…).

immer an der ostsee entlang durch schreiend bunte polnische vergnügungsseebäder erreichen wir bald swinemünde. etwas verwirrende verkehrsführung und fehlende allgemeinbildung lässt uns erst die brücke nach usedom vermuten und dann die tatsächliche fähre verpassen. 

mit blick auf den count-down zur ziellinie passieren wir nach abwarten des nächsten bootes die polnisch-deutsche grenze. kurzes abwägen: ja! für ein frühstück und selbst gebrauten kaffee am kornfeldrand auf usedom ist noch zeit.

etwas an den nerven zerrt dann das kolonne fahren mit diveren unüberholbaren wohnwagengespannen. doch rettung naht: heute am letzten tag der rallye darf wieder die autobahn genutzt werden. puh. rechtes pedal schwer gedrückt und meckpom rauscht rechts und links an uns vorbei.

letzte aufgabe: roadbook fertig ausfüllen & alle fotobeweise einkleben. alle. aber. drei stück sind in danzig nicht ausgedruckt. wieder mal improvisieren. fernschriftlich aktivieren wir stefan, der die bilder promt auf dem hausbootdrucker ausdruckt und verspricht, rechtzeitig an der ziellinie am fischmarkt zu sein.

und dann ist es soweit: schlag 16 uhr – und team hasenrasen, startnummer 234 überquert nach 9153 km und 568,5 von 895 möglichen punkten die ziellinie in hamburg am strandpauli!

ein enpfangskomitee wartet schon und hamburg zeigt sich von seiner bester seite mit sonne & leichter briese. so soll es sein 🙂

wir sind geschafft aber glücklich – was eine unglaubliche rundreise, was eine prima veranstaltung, was ein grossartiger teamgeist der teilnehmenden teams untereinander!

wir danken allen, die uns bei dieser unternehmung unterstützt haben. allen spendern fürs sage-hospital (1250euro!) allen beitragsleistern zu auto, ausrüstung und kartenmaterial, den verabschiedungs- und empfangskommitees, den fotodruckern, den teams, die wir unterwegs getroffen haben – mit den wir gefeiert haben, die uns hier & da geholfen haben. und nicht zuletzt alles lesern dieses kleinen reiseberichtes.

hasen&rasen

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von störchen und alleen

early bird – mal wieder heute. das kaliningrad-debakel muss wett gemacht werden. die distanz heute wird lang. der weg führt „unten“ um kaliningrad herum immer stracks richtung westen entlang der masurische seenplatte.

alleenbäume…

… und störche begeiten uns in grossen mengen. schwer auszumachen, ob je storch ein baum kommt oder umgedreht.

meter machen bis danzig gelingt gut. um zwei am nachmittag sind wir dort, trotz stau wegen autobahnbaus. gut das die baugesellschaft den richtigen namen hat: metrostau.

auf der rallye gibts zwar keinen hauptpreis für kulturbeflissenheit zu gewinnen, trotzdem machen wir einen kleinen stadtrundgang durch danzig. nicht schlecht, die alte hanse- und solidarność-stadt!

schnell noch fotos ausdrucken für die beweisführung der roadbook-aufgaben. …fertig! bleibt noch zeit für ne stärkung mit vodka und danziger schweinereien.

und da wir gerade schonmal hier sind, werfen wir einen prüfenden blick auf DAS seebad polens: rechts ab nach sopot und ab auf den holzpier, der ostsee winken.

auch erledigt. richtig was geschafft heute!

aber hamburg ist noch weit… und morgen nachmittag um fünf müssen wir spätestens über die ziellinie donnern. das schmeckt nach weiteren 200km heute, die wir richtung kolosbzerg verschlingen und die nahe mielno zu einem verstecktem sandplatz an der ostsee führen. klappe zu – schlafen. 700km heute sind genug…

dobranoc!

kalter krieg und katholizismus

ein tag voller regenwasser. die wolken verfolgen uns durch lettland bis nach litauen. der regen auch. die wenigen trockenen minuten morgens werden genutzt, um den ostseestrand zu tätowieren. jetzt kann’s losgehen!

aufgabe des tages aus dem roadbook: finde den kreuzhügel! 

nichts einfacher als das. denn bei siauliai kündigen mehrere busse mit touristen am strassenrand diese merkwürdige attraktion an: ein hügel von ca. 50metern höhe vollgestellt und umzingelt von tausenden holzkreuzen. die von diversen pilgern oder besuchern hier hinterlassen wurden.

seltsame mischung aus katholizismus, wunderglaube und widerstand gegen den kommunismus… muss man nicht verstehen, aber ordentlich eindruck machts  in jedem fall.

solcher art spirituell erhoben richten wir den stern der sänfte richtung westen. übers haff nach kaliningrad lautet der plan. auf dem weg dorthin unbedingt noch zu einer ehemaligen interkontinentalraketenabschussbasis der soviets. jetzt museum und mahnmal zur langen phase des wettrüstens und des kalten krieges. irgendwo versteckt im wald bei plunge stecken vier je 30 meter tiefe silos im boden. darin bis mitte der achtziger je eine ss-40 rakete mit atomsprengkopf. heute zum glück nicht mehr – trotzdem ist die stimmung auf dem gelände und in den bunkern ziemlich drückend.

die nach diesem abstecher lassen wir die geplante fahrt nach kaliningrad übers haff leider aus. die russen erfreuen mit akribischen grenzkontrollen und von rallye-kollegen erfahren wir, dass man derzeit mit 6 stunden wartezeit bei der einreise an der grenze rechnen muss. auch am alternativen übbergang auf dem festland nach soveska (tilsit) sieht es nicht erfreulicher aus.

na gut. spontane planänderung ist eine der leichteren übungen auf dieser fahrt -obwohl wir kaliningrad schon gerne besucht hätten. aber dann wäre eine nachtschicht fällig gewesen. wir nehmen den weiten umweg um kaliningrad herum mit ziel polen. fahren durch die welt der störche bis die lust vergeht… und überfallen im dauerregen ein hotel in sakiai. 


alles feucht in der sänfte – da ziehen wir ein warmes trockenes bettchen heute vor.

labanaktis!

regen in riga

Ein neuer Tag und wieder mit strahlend blauem Hinmel und Sonne. Wir satteln die Sänfte und machen uns auf gen Riga. Tallin wird mittels kleiner Strassen und viel Schotter umfahren. 

Nach einem Öl- und Tankstop spuckt die Sänfte auf einmal blauen Rauch hinten raus. Sofort raus und nachschauen. Kommt nicht aus dem Auspuff… also Haube auf und – alles voller Öl. Wirklich alles inklusive Motorhaube von innen. 

Team POM2017 ist gleich zur Stelle und Beratung ist angesagt. Nach gründlicher Motorentölung, einigen Checks inklusive Öl nachlegen – haben doch einiges verloren – geht es vorsichtig weiter. Team POM2017 begleitet uns – sicherheitshalber. Danke nochmals!

Unsere Vermutung ist, dass wir beim letzten Ölcheck ein wenig überfüllt haben und es nen Überdruck gab. Oder schlichtweg den Deckel nicht vernünftig geschlossen haben – was eher unwahrscheinlich ist. Egal was es war – es hatte nichts mit dem Motor oder irgendeinem Schaden zu tun.

Auf den Schreck brauchen wir erstmal was zu Essen. Mit Team POM2017 finden wir ein kleines, schnuggeliges Cafe an der Ostsee. Lecker Kaffee und noch viel mehr leckere Teilchen 😉.

Jetzt aber ab nach Riga.. is ja noch ein Stück. Die Umfahrung der 6 km langen Autobahn erweist sich für Jürgen als Schlaraffenland. Mit 100 Sachen fliegen wir über Schotter und durch die Kurven. Petra wird dagegen etwas flau bei dem Tempo 😏. 

Nach guten 25 km hat die A1 uns wieder. In Riga wird die Sänfte abgestellt und es geht zu Fuss (endlich mal wieder) ins Zentrum. Kurz rechts und links schauen, dann Futterstube aussuchen. Und wie gut haben wir gewählt! Sehr lecker litauische Spezialitäten… neben dem guten, einheimischen Bier. Mit vollem Bauch geht es zur Tagesaufgabe: finde das höchste Gebäude in der EU und mach ein Foto mit Rallyauto drunter. Na denn los! Der Fernsehturm von Riga ist 371,5 m hoch und der ganze Stolz der Stadt… in den 70ern. Natürlich geht es auf die Aussicht hoch und ein Foto mit Sänfte gibt es auch.

Im strömenden Regen, zusammen mit Blitz und Donner suchen wir uns einen Platz an der Ostsee… ohne Zelt. Das Sänftenmobil muss herhalten.

Götz: wir haben die undichten Stellen gefunden 😜 und wissen genau wo Wasser rein kommt.

Estland: Seit wann grenzt Schweden an Russland?

Estland also… die Sonne weckt uns in unserem Sänftenmobil. Wieder ein Frühstück mitten im Nirgendwo – diesmal aber warm. Und vermückt… Über kleine Gässchen, Wiesen, Wald unter weitem Himmel geht es nach Tallinn. Estland zeigt sich uns als super schöne Mischung aus Süd-Schweden, Finnland mit ganz leicht russischem Einschlag. 

Sonne und Störche, Mücken und Wind.
In einem kleinen Cafe gibt es ein zweites, superleckers Frühstück. Und auf der anderen Seite der Strasse wartet die Erfüllung einer Fotochallenge: die Ziege am Steuer! Die Jungs verkaufen alles , was das Gartenzwergenherz begehrt. Wir finden einen stattlichen Bock und drappieren ihn hinter dem Steuer. Check!

Tallinn: Ein schickes Städchen mit vielen Touristen – insbesondere Finnen auf „billiges Bier –  Tour“.

Viel Zeit für die Erkundung der Stadt haben wir nicht. Die Ralley Party wartet auf uns! Zurück nach Osten in den Wald bei Uuri. Raudsilla Ferienanlage: Holztipis, Holzbierbar, Holzbänke, Holzsaunen, Holzlampen, Holzduschen, Holzholz. Behutsam angelegte Anlage mit viel Augenmerk auf die Details. Charmante Rustikalität!

Es gibt ein Wiedersehen mit vielen Teams. Fast alle hatten mit der Grenze von Russland nach Estland zu kämpfen und einige trudeln erst spät in der Nacht ein. Im Nachhinein waren wir mit unseren 2.5 h gar nit sooo schlecht 😏.

Das Abendprogramm beginnt mit Volkstanz inklusive Mitmachanimation – Petra wurde gleich vom Eintänzer schanghai’t und zum Tanz entführt.

Diese Show und diese Musik waren grossartig. Danach flacht die musikalische Qualität personifiziert durch nen DJ aus Tallinn leider stark ab (nur weil wir aus Deutschland kommen, muss man nicht Modern Talking spielen, junger Mann!) Entschädigung wartet nicht lang: Lecker estnisches Buffet. Schweinebraten trifft saure Gurke trifft Räucherfisch trifft Krautsalat trifft schärfsten Senf.

Satt, dafür gab es extra noch einen Mitternachts-Snack, und zufrieden gehts ab ins Zelt – fehlenden  Schlaf von gestern Nacht nachholen. Gute Nacht!

rush-hour in st.petersburg

Nach einem gemachten Frühstück suchen wir unseren Weg raus aus Petrozavodsk. Es geht wieder auf die E105, welche uns schon seit einigen Tagen begleitet. weiter gen Süden… next stop Санкт-Петербург. uns trennen noch knappe 450 km…

wir kommen an in Sankt Petersburg… gutes Wetter aber leider Rushhour. Dank Jürgens guter Navigation, können wir unseren James Bond Task erledigen. Im Dunes of Lingovsky erwartet uns der Sticker für das Roadbook – natürlich nur nach ausprechen der richtigen Losung – und ein kleiner, aber feiner Beachclub… in einem Hinterhof eines ehemaligen Industriegebietes.

Nachdem die Anfahrt des Clubs kein Thema war und uns andere Rundfahrtkollegen nen dummen Floh ins Ohr gesetzt haben, beschliessen wir eine Stadtrundfahrt auf eigene Faust. Hmmmm. Versucht das mal um 17:00 in der St.Petersburger rush-hour…. Wir haben unsere Erfahrung gemacht. Tsss. Und waren nach Abbruch der Unternehmung nach schon anderthalb Stunden wieder am Stadtrand. Wieder eine Erfahrung reicher 🙂 Lieber nochmal ohne Auto hierher kommen!

Die nächsten beiden Lektionen für heute warten noch auf uns:

  1. Versuche nicht, im Grenzgebiet zwischen Russland und Estland zu campieren. Alles militärisches Sperrgebiet hier.
  2. Glaube nicht, du kannst die Gunst der Nacht nutzen und schnell über die Grenze nach Estland schlüpfen. Ausser, du meinst zweieinhalb Stunden warten sind kurz.

Wie dem auch sei: Um 2 in der früh finden wir aus estnischer Seite ein ruhiges Plätzchen zum campieren – gute Nacht!

das grosse weite – und nichts dahinter?

es tropft aufs zelt – der erste morgen im regen. die handgriffe sitzen und die zeltplane ist schnell in der dachkiste verschafft. um uns herum werden müde augen gerieben während wir mit dem ersten kaffee im blut die strasse hauen. warum so schnell? hier wartet nichts auf uns. genauer gesagt mehr als 700km nichts. naja, aber genau das kann ja auch mal ein ziel sein…

zumindest schonmal hase und ziege sagen sich hier gute nacht.


endlose geraden laden ein, das lenkrad festzubinden und hinten im kombi nen kaffee zu kochen. es passiert – nichts. 


die vegetation wird gaaaaaaanz langsam grüner und dann – BÄM! tapst ein bär vor uns über die strasse. viel zu perplex, die kamera zu zücken staunen wir meister petz hinterher, wie er geruhsam rechts im wald verschwindet.

jetzt wieder hellwach lesen wir „historische stadt kem“ auf einem wegweiser und freuen uns über eine weitere abwechselung. die übliche schlaglochpiste führt uns zu einem aussenposten der russischen zivilisation. alles hier: orthodoxe kirche (verfallen), plattenbauten aus holz (verfallen), einkaufzentrum (verfallen), seengrosse pfützen auf strassen und gehwegen. es sieht aus, als sei die zeit vor 30 jahren stehen geblieben. ausser vorm rathaus. die lenin-statue reckt bestimmt noch länger den spitzbart in den himmel…

zurück auf der e105 erreichen wir dann irgendwann petrozavodsk am see onega, dem zweitgrössten binnensee europas. das städtchen mit strandpromenade, neoklassizistischem bauwerk und – unserem hotel, das wir uns kurzentschlossen und duschbedürftig ausgesucht haben. nach der einöde der landschaft und der verfallenheit der orte rechts und links neben der strasse bisher kommt uns petrozavodsk grossstädtisch & charmant vor. nicht zuletzt weil ein fantastisches abendessen mit karelischen spezialitäten im hungrig aufgesuchten restaurant aufgefahren wird.


fazit: endlose weiten gibts ganz bestimmt nicht nur im mittleren westen der usa – und das essen hier ist leckerer!

from russia – with love!

Unsere erste Nacht in Russland und Schlafpremiere für das Sänftenmobil. So ein Benz bietet ne Menge Platz und es lässt sich wirklich gut drin nächtigen. Nach dem ersten Kaffee gibts ein lecker Tundrafrühstück mit Aussicht.


Danach heißt es packen. Das geht mittlerweile ziemlich fix. Und ab gehts, denn Murmansk ruft mit Aufgabe. Wir sollen den ersten atomar betriebenen Eisbrecher finden. Kann ja nur die ‚Lenin‚ oder ‚Stalin‚ sein 🤔. 
Am Rangierbahnhof treffen wir andere Teams, die auf die Schnelle ein Bild von Atomeisbrecher ergattern wollen. Aber mit schnell is hier nix. Nach gefühlt 45 min und noch mehr Güterzügen dürfen wir die Gleise passieren.

Und da steht das Objekt der Suche. Von 1959 und es ist tatsächlich die ‚Lenin‘. Daneben steht die Vladivostok. Auch nicht überraschend…


In der Stadt findet ein Festchen statt; Busse sind als Strassensprerren für einen grossen Platz im Einsatz, auf dem eine Combo auf riesen Bühne schwiemeligen Pop herausposaunt. Wir finden ein Cafe mit WiFi, um den Blog zu aktualisieren 😉.

Durch einen Schlagloch-Slalom dann zu einem die Stadt überblickenden Kriegsdenkmal. (Anmerkung d. Redaktion: die gibt es hier überall… auch im Nirgendwo, wo es sonst nichts gibt). Von hier oben überblicken wir den Hafen und einen Vergnügungspark. Sowieso Plattenbauten soweit das Auge sieht. Alles ziemlich – nun ja – abgenutzt…

Wir verlassen Murmansk und fahren auf der E105 gen Süden. Ein Schild verspricht, dass wir dieser Strasse die nächsten 1400km bis St.Petersburg treu bleiben. In Kandaladka scheitert der Versuch an das weisse Meer zu kommen. Auch ein Schlafplatz ist nicht in Aussicht. Also weiter. Der nächste Abzweig soll zu einem Seehafen führen. Vielleicht hier jetzt das weisse Meer? Nope… aber dafür Datschen – viele Datschen – und noch viel mehr. Einen Hafen finden wir nicht. Allerdings bietet ein Sandweg uns noch mehr… …Datschen. Wir haben Datschenhausen gefunden. Es gibt sie in gross, in klein, in schick und schlicht, in herausgeputzt und einfach nur vom russischen Winter zerzaust. 

Seit 17 km verfolgt uns ein Schild mit dem Hinweis ‚Camping‘. Aus purer Neugierde, wie wohl ein russischer Zeltplatz aussieht, nehmen wir den nächsten Abzweig.

Bevor wir noch den Zeltplatz erspähen, begegnen uns Rallye Kollegen. Also Fenster runter und guten Tag sagen &!dienLage peilen. Die erklären uns, dass der lange angekündigte Zeltplatz nicht mehr existiert, wir aber die Erlaubnis haben, die Nacht hier zu campieren. Alexander – ein gastfreundlicher und wie wir später lernen auch angemessen trinkfreudiger Russe – lebt hier und besitzt das Waldstück. 

Schnell stehen 5 Zelte, ein Lagerfeuer brennt und überall riecht es nach Abendessen. Nach und nach tauchen immer mehr BSC’ler auf. Insgesamt 11 Fahrzeuge stehen im Gelände, 7 andere davor. 


Unser Feuer brennt, Alexander trinkt mit uns Bier, Vodka und Apfelwein. Alle sind euphorisch, dass man sich ausgerechnet hier irgendwo in Karelien nach mehr als 5000km Fahrt getroffen hat. Wir tauschen Rallye Geschichten und „Grenzerfahrungen“ (wir hatten es wohl noch vergleichsweise leicht mit Formalitäten und Durchsuchung) aus; unterhalten uns über die Autosuche & -präparation und vieles mehr. Und dann ist er da… unser erster, richtiger Regen. Damit verkriecht sich jeder zur Bettruhe. 1 Uhr nachts und immer noch hell… unsere letzte Polarsommernacht….

norfinnorrus

3:57 – beide wach. eingentlich hätte uns der wecker noch 3 minuten zeit zum schlafen gegönnt. aber pah – jetlag am nordkapp verleiht wunderbare kurzschlafigkeit. prima, so sind wir frühzeitig am nördlichsten punkt des europäischen festlandes und können vor den touristenbusladungen mit der sänfte direkt vor den globus rollen. der veranstalter hat mit den nordkappleuten vereinbart, das die rallye teilnehmer zwischen 1am und 6am mit ihren  auf die klippe fahren dürfen. primstens!

wir rollen gegen viertel vor fünf an ca. 200 geparkten wohnmobilen (ist das hier bomobil guantanamo?) vorbei und reihen uns hinter zwei kollegen zum fototermin ein.

und das beste: kein nebel, kein regen, keine dunkelheit – wie sonst hier meistens.

super lekker! was ne aussicht in den dramahimmel und in die müden, aber grinsenden gesichter der kollegen mit ihren alten karren, die sich jetzt nach und nach in die fotoschlange einreihen. was ne stimmung hier heute früh.

noch bisschen benzin und route reden und dann heisst es ab hier: auf in den süden!

niemand auf der gasse, keine dicken womos, nix. ausser rentieren na klar, aber die strasse ist ja deren natürliches habitat. mögen das da. weniger mücken auf der strasse als im dickicht.

aussicht-aussicht-aussicht. soviel abwechselung verlangt nach monotonie: das finnische lappland wartet vor dem stern des benz. und ja: birken, seen und sanfte hügel – das war’s. gelegentlich ne trucker kneipe, wo wir neben drei vierschrötigen typen zu dire straits aus der musikbox schlechten kaffee schlürfen.

eine südschleife durch finnland (der besuch dort war wichtig: 10 länder auf der tour besuchen & auch in finnland ein tauschgeschäft machen) führt uns zurück nach norwegen, das wir in der nähe von kirkenes wieder entern. die stadt erweist sich als ausgesprochen abgerockt aber die warme sonne entschädigt. strassencafé! t-shirt! 

wir entschliessen uns, noch heute nach russland einzureisen. es ist noch früh am tage und wir sind noch wach. an der grenze gelangt unsere kleine vier-länder-tournee heute etwas ins stocken. in knarzigen 70gerjahre amtsstuben müssen wir möglichst fehlerfrei schlecht fotokopierte formulare ausfüllen. stellen dabei fest, das wir deutlich mehr als die erlaubten 6l alkoholische getränke an bord haben – und wir die gerade gekauften fleisch- und wurstwaren nicht einführen dürften. ok, das mit den formularen klappt im 3. anlauf und das auto wird nur oberflächlich inspiziert (die dame vom zoll kennt offenbar keine kühlboxen…) – pedal aufs metall und weg!!!

hinter grenze wartet eine frischestens asphaltierte magistrale – deren pracht aber schon nach ein paar kilometern in die russische realität überwechelt und sich dem grau-brüchigen aussehen der ersten stadt angleicht, die wir in russland sehen.

kaum zu glauben. hier sieht’s aus wie in ost-berlin kurz nach dem mauerfall – nur modernere autos. inkl. kriegerdenkmal und verfallener sportpalast.

ein paar kilometer ins land noch und dann knurrt der magen und die augen fallen zu. nach ein bisschen suchen finden wir ne sandige stelle – kochen – zähneputzen – premierenschlaf im auto.

jetlag am nordkapp

Auschlafen! Trotz hell und allem schlafen wir geschmeidige 8.5 h. Luxus! Und als extra Schmankerl gibt es eine Dusche… heiß!

Nach einem genüsslichen und reichhaltigen Frühstück geht es weiter – immer nach Norden.

…wenn’s denn klappen würde. Keine 10 Minuten nach Aufbruch fühlt sich die Sanfte hinten rechts sehr unpräzise an. Der Streckenposten in der – mal wieder – Baustellen bestätigt winkend: Plattfuss!

GRRRRRRR!


Ok, das Rad ist schnell gewechselt und ein paar Kilometer weiter flickt der Bildekk-Spezialist das Loch in der Lauffläche. Metallsplitter. Hoffentlich hält die Luft. Erstmal bleibt das Ersatzrad montiert und das Reparaturobjekt kommt zur Beobachtung in den Kofferraum.


Die Anfahrt zum Nordkapp führt uns durch Stokkedalen und Repparfjordalen. Traumhafte, karge, wilde Landschaften mit knorrigen Bäumen, die krampfhaft versuchen Blätter zutreiben. Noch nicht einmal Knospen sind zu sehen… Nur Menschen, die in schrillbunten Klamotten merkwürdige Körperertüchtigung betreiben.

Weiter auf der Strecke wird ein Rentier fürs  heimische Wohnzimmer erlegt (a.k.a. Fell gekauft) bevor unser Zwischenstopp Hammerfest erreicht ist. Um 17 Uhr sind hier schon die Bürgersteige hochgeklappt. Ein verpenntes Nest, welches nur aufwacht wenn ein Hurtigroutenschiff Touris ausspuckt.


Aber dem Eisbär-Club müssen wir einen Besuch abstatten. Immerhin ist Petra seit letztem August Mitglied 😃!

Weiter-weiter-weiter… immer weiter zum Kapp. Wir wollen möglichst weit oben im Norden zelten – macht man ja auch nicht alle  Tage!


Unglaublich, wir haben immer noch Sonne und gutes Wetter. Nur Wind pfeift weiterhin kalt um die Hasenohren.

Einige Tunnel und Brücken später erreichen wir Honningsvåg – letzter Ort vorm Kapp. Noch ein paar Kilometer stoppen wir in einer geschützten Mulde. Offensichtlich ein brauchbarer Platz zum Zelten, ein paar Rundfahrtautos stehen schon dort. Mit Glück finden wir eine einigermassen ebene Stelle zwischen all den Steinen, in wir die Zeltheringe drücken können. Gute Nacht! Morgen früh um 4 ist der Schlaf vorbei…